III. So würden wir antworten

Die folgenden Fragen sind nach Fragen von Mädchen und Fragen von Jungen unterschieden. Wir beziehen uns bei der Auswahl u.a. auf Fragen zu Liebe, Gesundheit, Körperlichkeit, Freundschaften, Partnerschaften, Verhütung etc.

Warum unterscheiden wir so deutlich in den Fragen nach Jungen und Mädchen?

Wir haben uns für die Unterteilung der Fragen entschieden, weil wir auf die Unterschiedlichkeit im Bewältigungsverhalten (Böhnisch/Funk, 2005, S. 42ff) von Jungen und Mädchen eingehen. Dies bedeutet, dass wir in der Betroffenheit bzw. in den Zugangsweisen auf Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen verweisen möchten. Dies bedeutet nicht, dass wir einer naturbedingten Unterschiedlichkeit im biologistischen Sinne das Wort reden möchten.

Wir sehen aber, dass Mädchen sich zum Teil in den Bewältigungsanforderungen anderen Themen und Fragen zuwenden als Jungen - dies ist bedingt durch die jeweils unterschiedlichen weiblichen und männlichen Sozialisationsanforderung, die Mädchen und Jungen mit unterschiedlichen Normvorstellungen und Erwartungen konfrontieren.

Wenn man diese Unterschiede als solche behandelt, wirkt dies für manche vielleicht so, als wäre damit also doch bewiesen, dass es biologisch determinierte Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt - quasi als würden diese durch diese nachweislichen Gemeinsamkeiten von Jungen bzw. Mädchen die natur- bzw. triebbedingten Unterschiede belegen. Bei aller Hoffnung, dass damit erneut Ordnung und auch Sicherheit geschaffen wäre, müssen wir diese Hoffnung enttäuschen: Denn diese Schlussfolgerung ist schlicht falsch.

Richtig ist vielmehr, dass Mädchen und Jungen in ihrem Entwicklungsprozess bemüht sind, als solche kenntlich zu sein - es gehört zu ihrem Aneignungsprozess, sich als Mädchen bzw. als Junge zu inszenieren. Dazu eignen sie sich unterschiedliche Normsysteme an, sind also von Anforderungen geprägt, was man als Mädchen tut bzw. als Junge nicht tut.

Dieser Prozess, der im Habitus und in leibgebundenen Aneignungsprozessen tiefenpsychologisch abgelagerte Prägungen hinterlässt und den wir (mit Böhnisch/Lenz, 2005) als fundamental unterschiedlich ansehen, kann man quasi als kulturgenetische Prägung bezeichnen. Diese Prägungen werden besonders dann wirksam, wenn rationales Verhalten gemindert ist, z.B. in sehr gefühlsgeladenen, krisenhaften Situationen (und dazu kann z.B. sexuelle Unsicherheit und Unwissenheit durchaus zählen). Für die Beratungsarbeit sind dies Dispositionen wichtig - und deshalb möchten wird - durch die Struktur unserer Antworten - dieser Unterschiedlichkeit auch Beachtung schenken.

Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Literatur
Kontakt
Generelle UnterschiedeF

Es zeigt sich in der Beratungspraxis, dass Jungen nicht fragen, was eigentlich Mädchen von Jungen erwarten oder was denn so angesagt ist, um als Mann zu überzeugen. Vielmehr versuchen viele Jungen erst einmal herauszufinden, ob sie "auf dem neuesten Stand" sind. In ihren Fragen geht es oft um die vermeintlich natürliche "männliche Leistungsfähigkeit" wie Größe und Dauer. Manche Jungen interessiert es, wie viele Orgasmen eine Frau haben kann etc. Die Fragen der Jungen wirken oft provozierend, für manche gar angeberisch oder skurril. Manche unterstellen Jungen deshalb auch, dass sie die Fragen nicht ernst meinen würden oder dass diese nicht altersadäquat seien.

Fragen, die sich für die Beratung ergeben, lauten dann z.B.: Soll man auf die "Beziehungsebene" wechseln und die Fragen als unzumutbar zurückweisen? Soll man sie als solche ernstnehmen und im "besseren" Sinne beantworten oder als "mackerhafte Inszenierung" behandeln?

In der Arbeit mit Mädchen ergeben sich andere Unsicherheiten. Viele Mädchen fragen nach der richtigen Interaktion mit Jungen - sie wollen wissen, was von ihnen als Frau verlangt wird. Aber sie fragen auch nach medizinischen Details: nach den Gefahren beim Gebrauch eines Tampons oder über den Sinn und Zweck des Besuches bei einer Frauenärztin. Andere wollen wissen, was genau in ihrem Körper mit der Veränderung in der Adoleszenz passiert, wie der Körper funktioniert und was es mit dem Einsetzen der Fruchtbarkeit auf sich hat. D.h. sie interessiert - im Gegensatz zu den Jungen - weniger der Leistungsaspekt.

Mädchen müssen eher ermutigt werden, z.B. auch ihre Fragen in Bezug auf das Orgasmusgeschehen zu stellen. Sie trauen sich meist eher nach dem Zusammenhang von Körperlichkeit und Liebesideologie zu fragen: D.h. Mädchen fragen viel über die Beziehungsebene; sie fragen dabei nach den Kategorien eines "richtig" oder "falsch". Sie stellen z.B. Fragen zum Beziehungsverhalten, fragen nach, wie sie den richtigen Freund finden können oder woran man erkennen kann, dass man wirklich echt verliebt ist und wann man bereit ist "für das erste Mal". Manche Mädchen wollen auch ganz konkret wissen, was es heißt, einem Jungen gerecht werden zu können, was sie tun müssen um ihn nicht zu verlieren.

Mädchen fragen also oft im Sinne der Norm der Zurückhaltung und des Begehrtwerdens, d.h. sie fragen Fachkräfte danach, wie sie reagieren sollen auf die (vermeintliche?) sexuell aktivere Haltung des Jungen, ob sie ihn sexuell zurück- oder abweisen dürfen ohne zu riskieren, ihn als Beziehungspartner zu verlieren. In der Beratungsarbeit ist es den Fachkräften auch aufgefallen, dass Mädchen - im Gegensatz zu den Jungen - deutlich Sexualität mit dem Kinderwunsch verbinden und diesen auch deutlicher äußern. Ähnlich fällt in der sexualpädagogischen Beratungsarbeit auf, dass durchaus unterschiedliche Fragen gestellt werden - je nach dem wer die Fragen der Jungen und Mädchen beantwortet - eine Frau oder ein Mann.

Es ist durchaus für manche Jungen spannend, auch einer Fachfrau über die Anatomie von Mädchen und Frauen Fragen stellen zu können. Anders herum ist es Mädchen durchaus wichtig, Männer fachlich befragen zu können. Doch dies ist erst möglich, wenn Erfahrungen im gleichgeschlechtlichen Bezug gesammelt wurden - denn dieser ist als Basis für eine vertrauensbildende Atmosphäre zentral. Dennoch hat sich in der Praxis gezeigt, dass manche Jungenfragen für Jungen durchaus authentischer von weiblichen Fachkräften beantwortet werden können und umgekehrt - z.B. interessiert es Jungen durchaus eine Frau (die nicht die eigenen Mutter ist) zu fragen: Was wünschen sich denn Frauen von Jungen, was kommt denn an? Und Mädchen fragen männliche fachliche Personen gerne danach, was Jungen sich wünschen und wieso es eigentlich heißt, dass Jungen immer nur das Eine wollen?

Warum finden sich keine Fragen von homosexuellen Jungen oder lesbischen Mädchen unter den Beispielen?

Wir gehen im Folgenden bewusst nicht explizit auf Fragen von Trans- oder Homosexualität ein, weil solche Fragen in gemischten Schulklassen (und dies ist hier die Bezugsebene) in der Regel nicht öffentlich gestellt werden. Die Realität in gemischten Gruppen ist von der Wirksamkeit der heterosexuellen Normierung geprägt. Eben diese zu durchbrechen und sexuelles Empfinden und Begehren jenseits der heterosexuellen Norm aufzugreifen - und dann diese eben nicht als Besonderheit und Abweichung sondern als Normalität zu kennzeichnen - ist der hier aufgezeigte Weg. So wird die Frage nach Analsex zum Einfallstor für Fragen zu Homosexualität oder die Frage nach dem Umgang mit einer lesbischen Lehrerin zur Möglichkeit, auf diese Frage nach dem Umgang mit dieser "Perversion einer Lehrkraft" für Diskussionen über Normalität und Abweichung zu nutzen.

Fragen der Mädchen, von weiblichen Sexualpädagoginnen beantwortet

Fragen zur Interaktion zwischen Sexualpartnern
(Dies sind auch Einfallstore für andere Themen!)

Frage eines Mädchens:
Woran merkt man, was "wahre Liebe" ist?
A
Viele Mädchen sagen, "wahre Liebe" ist, wenn man sich auf den Partner verlassen kann, er zu ihr hält und mit dem was sie ihm erzählt vertrauensvoll umgeht. Dies sollte aber auch für eine gute Freundschaft mit der besten Freundin oder dem besten Freund gelten. Ferner, dass er sie nicht drängt, sofort mit ihr zu schlafen, wenn sie es noch nicht möchte. Wann hat "wahre Liebe" auch was mit Erotik und sexueller Leidenschaft zu tun? Manchmal gibt es das Problem, dass ein Mädchen/Frau Nähe und Vertrauen braucht, um sich Sex vorstellen zu können - ein Junge/Mann aber Sex braucht, um Nähe und Vertrauen herstellen zu können.
Frage eines Mädchens:
Was sollte man tun, wenn man vergewaltigt wurde?
A
Wende Dich in jedem Fall sofort an eine Vertrauensperson Deiner Wahl. In jeder Stadt gibt es Beratungsstellen, die darauf spezialisiert sind, mit Dir über das Erlebte zu sprechen und um mit Dir alle weiteren Maßnahmen abzustimmen. Du wirst Dich möglicherweise schämen, Dich fragen, ob Du mitverantwortlich bist. Wichtig ist: Dir wurde Gewalt angetan, die sich durch nichts rechtfertigen lässt.
Fragen zu Themen Gesundheit, Körperlichkeit, Geburt, Kinderwunsch
(Dies sind auch Einfallstore für Themen zur Interaktion mit dem Sexualpartner!)
Frage eines Mädchens:
Sind Tampons oder Binden besser, wenn man seine Tage hat?
A
Wenn Du noch jung bist und das erste Mal Deine Regel hast (noch wenig Blut kommt) kann ein Tampon (auch ein "Mini"-Tampon) aufgrund der Trockenheit der Scheidenschleimhaut schwierig einzuführen und wieder zu entfernen sein. Lies die Hinweise auf den Tampon-Packungen, die sehr hilfreich sind. Mit ein wenig Vaseline oder Fett-Creme ist der Tampon einfacher einzuführen. Nimm Dir viel Zeit, und wenn es beim ersten Mal mit dem Einführen nicht so richtig klappt, mach Dir keine Gedanken. Der Vorteil von Tampons ist, dass Du Dich beim Sport und Schwimmen spontaner und weniger eingeschränkt bewegen kannst. Ein Tampon darf nicht zu lange in der Scheide bleiben, er muss öfters gewechselt werden. Binden sind leichter in der Handhabung und Du siehst, wie viel Blut bei Deiner Menstruation entsteht. Es gibt kein besser oder schlechter. Es gibt jeweils Vor- und Nachteile. Jedes Mädchen entscheidet selbst, was ihr besser gefällt.
Frage eines Mädchens:
Wie läuft es bei der Geburt ab?
A
Ist der Embryo in seiner Entwicklung abgeschlossen wird ein spezielles Hormon freigesetzt, welches die Geburt einleitet: Die Wehen setzen ein, der Geburtskanal/die Scheide wird geweitet und weicher. Dies ist in der Regel der Zeitpunkt, in der die Hebamme dazukommt. Dies kann bedeuten, in ein Krankenhaus oder Geburtshaus zu fahren oder die Hebamme kommt nach Hause, wenn es eine Hausgeburt werden soll. Die Fruchtblase platzt, in der der Embryo bisher eingebettet war. Das Fruchtwasser läuft aus der Scheide aus. Im Verlauf der nächsten Stunden treiben dann so genannte Press-Wehen den Embryo ans Tageslicht. Neben der Hebamme sind in der Regel der Partner und zeitweise ein/e Gynäkologe/ in dabei.
Fragen zu Verhütung
(Dies sind auch Einfallstore für Themen wie Körperlichkeit und für Fragen zur Interaktion mit dem Sexualpartner!)
Frage eines Mädchens:
Reicht die Pille aus oder wäre mit Kondom und Pille besser verhütet?
A
Wenn die Pille regelmäßig und vorschriftsmäßig eingenommen wird, reicht sie zur Verhütung von Schwangerschaften aus. Um die zusätzliche Übertragung von Geschlechtskrankheiten und Aids zu verhindern, wäre die Benutzung eines Kondoms sinnvoll.
Frage eines Mädchens:
Tut ein Diaphragma gar nicht weh?
A
Das Diaphragma gibt es in unterschiedlichen Größen und wird von der Frauenärztin / vom Frauenarzt angepasst. Deshalb tut es beim Tragen auch nicht weh.
Frage eines Mädchens:
Was ist ein Hormonimplantat?
A
Das Hormonimplantat (Implanon) ist ein kleines Stäbchen, das unter die Haut des Oberarms implantiert wird. Es gibt über drei Jahre ein Hormon (Gestagen) in das Blut ab und wirkt wie eine Pille. Sie verhindert den Eisprung und die Gebärmutterschleimhaut wird kaum aufgebaut. Der Vorteil ist, dass die abgegebene Hormonmenge geringer ist als bei der Pille, da das Hormon nicht durch den Magen- und Darmtrakt aufgenommen wird, sondern über die Haut direkter ins Blut gelangt. Der Nachteil ist, dass es zu häufigen unregelmäßigen Blutungen (Schmierblutungen) kommen kann.
Frage eines Mädchens:
Wie merkt man, dass man Aids hat?
A
Aids steht für die englische Bezeichnung "Acquired Immune Deficiency Syndrome", zu deutsch "Erworbener Immundefekt". Ursache für Aids ist die Infektion mit dem HIV-Virus. Bei einer Infektion mit HIV wird das Immunsystem geschwächt, indem das Virus so genannte Helferzellen befällt und sich in ihnen vermehrt. Die Helferzellen haben u.a. die wichtige Funktion, andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern zu steuern. Wie und wann man merkt oder erfährt, dass man HIV-positiv ist, ist ganz verschieden, denn eine HIV-Infektion entwickelt sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und jeder einzelne Krankheitsverlauf zeigt in der Regel starke Schwankungen. In den ersten Wochen nach der Infektion kommt es jedoch zu einer grippeähnlichen Erkrankung, die nach ein bis zwei Wochen wieder abklingt. Viele bemerken diese Symptome kaum oder halten sie für Zeichen eines "normalen" Infekts. Bei allen Infizierten kommt es jedoch zu einer Abwehrreaktion, bei der Antikörper gebildet werden. Diese können in der Regel spätestens nach zwölf Wochen zuverlässig durch einen Test nachgewiesen werden.

Nach einer symptomfreien Phase können Symptome auftreten, die im Einzelnen betrachtet auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können wie lang andauernde Lymphknotenschwellung, starker Nachtschweiß und lang andauernder Durchfall. Im weiteren Verlauf kommt es dann zu so genannten opportunistischen Krankheiten wie Lungenentzündung, Tumorerkrankungen, Nervenentzündungen oder Hirnleistungsstörungen. Treten diese, durch HIV verursachten Krankheiten auf, spricht man von Aids.

Frage eines Mädchens:
Wenn mein Freund Aids hat und wir wollen ein Baby, wie können wir Sex machen, ohne dass ich mich anstecke?
A
Ist einer der Partner HIV-positiv kann man nur mit Kondom Geschlechtsverkehr haben, so dass sich der Partner nicht ansteckt. Somit kann ein Baby nicht auf dem traditionellen Weg gezeugt werden. Eine Schwangerschaft ist jedoch durch eine künstliche Befruchtung möglich, wenn das Sperma von HIV gereinigt wurde.
Frage eines Mädchens:
Was sollte man tun, wenn man minderjährig ist und bemerkt, dass man schwanger ist?
A
Hole Dir Rat, so früh wie möglich. In jeder Stadt gibt es entsprechende Beratungsstellen die zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Hier kannst Du in einem offenen Gespräch überlegen, ob Du Dich für die Fortführung der Schwangerschaft oder einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden willst.
Fragen der Mädchen, von männlichen Sexualpädagogen beantwortet

Fragen zur Interaktion zwischen Sexualpartnern
(Dies sind auch Einfallstore für andere Themen!)

Frage eines Mädchens:
Sind Männer wirklich notgeil?
A
In der Regel nein. Allerdings denken viele Jungen/Männer sie müssten immer können wollen, um als "richtige" Männer gesehen zu werden bzw. zu sein. Zudem bekommen Jungen auch mit, dass viele Mädchen eher die bevorzugen, die sich machohaft notgeil geben.
Frage eines Mädchens:
Warum wollen Jungen (fast) immer sofort ins Bett?
A
Manchen Jungen geht es darum, nur zu erobern und eine "Strichliste" zu führen. Viele denken allerdings, dass man sich so verhalten müsse, um als ein "richtiger" Junge gesehen zu werden. Die Kumpels wollen (fast) immer wissen, ob man mit ihr im Bett gewesen ist.
Fragen der Jungen, von männlichen Sexualpädagogen beantwortet

Fragen zu Themen Gesundheit, Körperlichkeit, Normalität und Leistung

Frage eines Jungen:
Wie lange bringt es ein normaler Junge im Bett?
A
Wie lange der Junge im Bett "kann", d.h. wie lang er bis zum Orgasmus braucht, hängt von vielen Faktoren ab. Wie ist die momentane Stimmung des Jungen (hat er überhaupt Lust auf Sex)? Hat er vielleicht Alkohol oder andere Drogen konsumiert? Ist der Sex ungestört oder ist dauernde Vorsicht geboten? Freut er sich schon lange auf den Sex (Übererregung)? All das beeinflusst die Dauer der Erregung bzw. die Intensität. Außerdem ist es schon ein schlechtes Zeichen, wen man sich dauernd über diese Frage Gedanken macht. Dadurch setzt man sich selber so unter Druck, dass die Erregung vielleicht ganz verflacht, die Lust ausbleibt oder die Erektion gestört wird. Auf die Dauer kommt es letztlich auch nicht an, sondern auf die Gefühle, die beide dabei empfinden. So kann der Sex (aber auch das Vorspiel etc.) kürzer sein, dafür aber umso intensiver und lustvoller.
Frage eines Jungen:
Könnten Sie mir bitte mehr zu den "Stellungen" erläutern?
A
Bei den Stellungen steht zumeist die Stimulation der erogenen Zonen und der Geschlechtsorgane in dem Vordergrund. Die Missionars- und die Reiterstellung sind die bekanntesten Sexstellungen, bei der beim Geschlechtsverkehr entweder der Mann (Missionarsstellung) oder die Frau (Reiterstellung) oben liegt. Bei der 69er Stellung stimuliert gleichzeitig die Frau den Penis des Mannes und der Mann die Klitoris der Frau jeweils oral, d.h. mit dem Mund. Was allerdings lustvoll ist, darüber kann nur jede/r für sich entscheiden. Und: die Wege zu mehr Lust sind häufig bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich.
Frage eines Jungen:
Ist es normal, zweimal am Tag zu onanieren?
A
So oft man Lust dazu hat. Es schadet weder Körper, Seele noch Geist. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich nun mehrere Male am Tag selbstbefriedigt oder einmal in der Woche. Mit Hilfe von Selbstbefriedigung kann man erste Erfahrungen mit der eigenen Sexualität machen und viel über sich und seinen Körper lernen. Ein berühmter Mann hat einmal gesagt: "Onanie ist mit jemandem Sex haben, dem man am nächsten steht". Problematisch wird es erst dann, wenn man das Gefühl hat, Selbstbefriedigung "muss sein", obwohl man eigentlich keine Lust hat und der Penis schon wund und geschwollen ist.
Frage eines Jungen:
Kann man vom Sex süchtig werden?
A
Nein, denn es ist nicht so wie die Sucht nach Drogen oder Alkohol. Manche Jungen und Männer berichten aber schon, dass sie ständig und zwanghaft an Sex denken oder ihn auch praktizieren müssen. Auf der Suche zu sein, nach einem immer stärkeren Nervenkitzel, ohne wirkliche Befriedigung zu erfahren. Sie fragen sich, was dahinter steckt und welchen Lebensproblemen und -situationen sie evtl. aus dem Wege gehen? Vielleicht fühlen sie sich nicht wirklich sexuell begehrt oder geliebt vielleicht denken sie aber auch, dass der Grad von "Männlichkeit" mit der Häufigkeit sexueller Tätigkeit in Verbindung steht.
Frage eines Jungen:
Was ist Analsex und wer macht das?
A
Unter Analsex versteht man das Einführen des Penis in den After/Po einer Frau/eines Mädchens oder eines Mannes/eines Jungen (Analverkehr) bzw. im weiteren Sinn jegliche Stimulierung des Afters z.B. mit dem Finger. Zwar zählt der After nicht offiziell zu den Geschlechtsorganen, dennoch enden am After sehr viele Nerven, die leicht angenehm erregt werden können. So kann man mit dem Finger oder dem Penis die Prostata reizen, die nahe der Darmwand liegt. Dies kann sehr lustvoll sein. Aber viele Menschen mögen den Analverkehr nicht. Wenn man unangenehme Gefühle damit verbindet, spannen sich die Schließmuskeln um den After stark an und dann tut das Eindringen sehr weh. Außerdem sind After und Darm längst nicht so dehnbar wie etwa die weibliche Scheide.
Frage eines Jungen:
Wie oft kommt man?
A
Es gibt dafür keine festgelegte Zahl. Meistens benötigt ein Junge/Mann eine längere Pause zwischen zwei Samenergüssen. Es ist körperlich bedingt, dass nach einem Samenerguss eine Entspannungsphase folgt. Dabei erschlafft der Penis. Wird der Penis weiterhin stimuliert, ist dies eher schmerzhaft als lustfördernd. Von Frauen wird berichtet, dass sie mehrere Orgasmen hintereinander bekommen können, wenn sie es denn wollen. Hierbei bleibt die Erregung nach dem Orgasmus auf einem gewissen Niveau und ein weiterer Höhepunkt ist möglich. Für viele ist aber auch nur ein Orgasmus möglich und befriedigend genug. Mann ist also kein besserer Liebhaber, wenn man eine Frau zu vielen Orgasmen gebracht hat. Zufriedenheit statt Leistungssex ist besser.
Frage eines Jungen:
Wann kann ein Hoden platzen?
A
Der Hoden kann nicht platzen. Er kann aber durch äußere Gewaltanwendung verletzt werden. Produzierte Spermien werden vom Körper abgebaut, wenn es nicht zum Samenerguss kommt.
Fragen zur Interaktion zwischen Sexualpartnern
(Dies sind auch Einfallstore für andere Themen!)
Frage eines Jungen:
Einen "blasen": Muss da die Frau blasen oder saugen?
A
Blasen ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern bezeichnet die Stimulierung
des Gliedes mit dem Mund und der Zunge.
Frage eines Jungen:
Wie kann man einem Mädchen am besten sagen, dass man sie liebt?
A
Wenn es Dir darum geht, Anträge zu üben, gibt es sicher eine Menge Techniken. Wenn Du aber eine Liebesbeziehung möchtest, die auf Gegenseitigkeit beruht, kommst Du nicht darum herum, Dich für die andere Person zu interessieren: Welche Hobbys hat sie? Welchen Freundeskreis hat sie? Was und wann bringt man sie zum Lachen? Tanzt sie gern? Diese Art der Detektivarbeit hat in jedem Fall einen Vorteil: Du lernst viele Möglichkeiten kennen, wie man sein Leben auch verbringen kann und entdeckst für Dich neue Interessen.
Frage eines Jungen:
Meine Lehrerin ist lesbisch, wie gehe ich damit um?
A
Wenn man der Meinung ist eine "richtige" Lehrerin müsse sexuell-erotisch auf Jungen/Männer stehen, dann hat man in der Tat ein Problem. Wenn man allerdings der Auffassung ist, jede/jeder kann doch sexuell lieben wen er/sie will, ist der Umgang meist unkompliziert. Ob man eine Person sympathisch findet oder nicht mag, hängt sicher von anderen Gegebenheiten ab.
Fragen zur Verhütung
(Dies sind auch Einfallstore für Themen wie Körperlichkeit und für Fragen zur Interaktion mit dem Sexualpartner!)
Frage eines Jungen:
Kann die Frau schwanger werden, wenn man im Wasser Sex hat?
A
Ja, wenn man im Wasser unverhütet Geschlechtsverkehr hat. Wenn der Junge/Mann aber in dem Wasser, in dem das Mädchen/die Frau sich auch befindet, einen Samenerguss bekommt - möglicherweise durch Petting - aber kein Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, dann kann sie nicht schwanger werden. Samenzellen überleben im Wasser nicht lange.
Fragen der Jungen, von weiblichen Sexualpädagoginnen beantwortet

Fragen zur Interaktion zwischen Sexualpartnern
(Dies sind auch Einfallstore für andere Themen!)

Frage eines Jungen:
Wie kann ich Mädchen beeindrucken?
A
Indem Du ihr zuhörst und mit ihr redest, freundlich bist und Dich verständnisvoll zeigst. Wenn man sich auf Dich verlassen kann und Du auch auf Verhütung achtest. Gib ihr aber auch die Möglichkeit, Dich beeindrucken zu dürfen. Dich mit Blicken zu suchen, zu flirten. Manchmal ist es gar nicht so einfach, sich gegenseitig zu zeigen und zu sagen, dass man sich mag. Vor lauter Nervosität kriegt man kein Wort heraus und alles fühlt sich peinlich an.
(Ende Kapitel III)

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